Fritz von Thurn und Taxis. Wer hätte gedacht, dass ich einmal froh darüber sein würde, dass mein Lieblingsreporter diese Dokumentation des Schreckens kommentiert. Aber erst einmal war das der erste Aufreger. Es sollten viele weitere folgen.
Franz der Kaiser forderte Kampf. Über den Kampf ins Spiel kommen. Recht hat er. Der Acker im St. Jakob Park passte zu dieser Aussage. Als halbes Alibi würde er wieder herhalten müssen. Aber soweit war es ja noch nicht.
Die Vorberichterstattung schürte einmal mehr die Panik vor dem Gegner. Egal ob Basel oder Barcelona. Erst einmal musste klar gemacht werden, dass hier alles drin ist. Die Bayern in der aktuellen Verfassung müssten die Hosen voll haben. Nicht umgekehrt.
FvTuT: „Katastrophale Paltzverhältnisse“. Und ein Wunsch als Vater des Gedanken: „Folgt heute die Wende?“ Ich hoffte es.
Robben und Tymo spielten von Beginn an, dafür saßen Müller und Gustavo auf der Bank. Es ging sogleich schwungvoll los und die ersten 10 Minuten gehörten den Bayern. Es hätte bereits 2-0 stehen können. Ribery und Gomez. „Der Mario Gomez muss aber natürlich auch gefüttert werden wie ein Baby“ philosophierte FvTuT. Unnachahmlich. Einzigartig. Lustig. Recht hatte er. Wenn er wie gegen Freiburg keinen Ball bekommt, wie soll er dann ein Tor schießen. Die 10 Minuten sind rum es ging weiter wie gegen Freiburg. Aus heiterem Himmel stellten wir von Fußballspielen auf Fußballstehen um. Keine geschlossene Mannschaft mehr. Als stünde es bereits 2-0. Tymoshchuk fällte erst den Alex Frei an der Mittellinie um zwei Minuten später volle Kanne in ihn rein zu springen. Im Bereich Mittelkreis. Warum? Und während FvTuT noch über „Den Rasen, den Rasen“ plauderte fielt beinahe der basler Führungstreffer. Und gleich darauf musste Neuer mit Glück einen Schuss an den Pfosten lenken. Während der Kommentator den Spielern offene Visiere und die Bedienung fußballerischer Feingeister attestierte bekam ich einen Anfall. Wir haben definitiv keine Abwehr. Das, was Jupp Heynckes gefestigt haben soll, existiert so nicht (mehr?). Frei knallte einen Ball an die Latte. 19 Minuten sind rum. Ein 0-3 wäre möglich gewesen. Nach 19 Minuten in Basel. Mit meiner roten Brille hätte man auch 3-3 sagen können. OK. Allein diese rote Brille finde ich gerade nicht mehr. Und ein alter Bekannter war auch wieder im Stadion. Der Bayern-Dusel. Pfosten. Latte. Klärung auf der Linie. Wenigstens was. „Eine Menge Arbeit, eine Menge Arbeit für Neuer.“
Der „quicke“ Lahm kann doch so viel mehr. Er zeigt es aber erneut nicht.
Der einzige Lichtblick war für mich Robben. Wenn auch nur ansatzweise. Der Zweikampf mit Müller scheint ihm gut zu tun. Er sprintete nach hinten 80 Meter übers Feld und erkämpfte den Ball zurück. Gefällt mir. Wenn auch viel Schatten dabei war (Freistöße, Ecken, Dribblings) erkannte man, dass er langsam aufsteigende Form hat. So kann es hier weiter gehen, dann hört die Kritik an ihm schnell auf. Das scheint wiederum dem Ribery nicht zu passen. Sagt mir mein Gefühl beim zuschauen der beiden „Diven“. Irgendwie gönnt der Ribery es dem Robben nicht. Meine Meinung. Ich hoffe, dass es nicht so ist.
Kurz vor der Halbzeitpause gewinnt Lahm noch den Fairplay-Preis und tauscht eine unberechtigte Ecke für Bayern gegen einen Abstoß für Basel. War sehr fair. Punkt. Danken sollte es ihm aber leider keiner.
Mit 0-0 in die Halbzeit. Rummenigge, Hoeness und Hopfner treten als coole „Men-in-Black-Gedächtnis-Kombo“ für einen Sportwettenanbieter auf. Geht es nur mir so oder passt das überhaupt nicht zusammen? Hoeness und Sportwetten? Der FC-Bayern und Sportwetten? Was macht man nicht alles für Geld. Vielleicht bin ich auch nur sehr dünnheutig geworden in den letzten Wochen.
Die zweite Halbzeit begann. Eine Katastrophe nahm ihren Lauf. Ich hatte überhaupt kein gutes Gefühl. Das Bayernspiel hatte einschläfernde Wirkung. Auch FvTuT konnte mich nicht erheitern. Wenigstens hatte er mich auch nicht aufgeregt. Dafür sorgten allein die Spieler. Irgendwann kam dann Müller für Ribery. Jawohl für Ribery. So ca. 71. Minute. 71. Minute. Gute 20 Minuten durfte ein Offensiver für einen anderen Offensiven ran. Ribery verweigerte den Handschlag mit Heynckes. Dazu später mehr. Müller selbst wirkte sehr motiviert an der Grenze zur Übermotivation. Zweimal ging er den sehr sehr guten basler Schlussmann viel zu aggressiv an und sah dafür einmal klar Gelb.
86. Minute: Das 0-1 durch Stocker.
Einmal mehr zeigte unsere Abwehr was alles so möglich ist.
88. Minute: Olic für Kroos.
Für Heynckes war es „ein klassisches 0-0 Spiel“ und er wäre damit wohl entgegen seiner späteren Aussage sehr zufrieden gewesen. Warum sonst kommt Olic zwei Minuten vor Schluss? In Basel? Beim Stand von 0-1.
Abpfiff. Die Sky-Entourage machte lautstarke Diskussionen in der Bayern-Kabine aus. Alle wurden zusammen getrommelt und der Vorstand machte erneut seine Aufwartung. In der Kabine. In Basel. Der erste Kommentar kam gefühlt Stunden später von Manuel Neuer. Erfrischend anders als der Kapitanoleinili. Sichtlich genervt. Das hatten sie sich anders vorgestellt. Ich auch. Neuer wäre schon mal der bessere Kapitano. Gedanklich habe ich Lahm die Binde abgerissen und Neuer angesteckt. Schweinsteiger war ja nicht da. Wo ist Van Bommel? Wo ist Effenberg? „Halleluja“.
Chef-Diplomat und Sky-Experte Ottmar Hitzfeld fand auch deutliche Worte. Er würde sich zwar sicher eher die Zunge abbeißen als öffentlich Jupp Heynckes zu kritisieren, aber zwischen den Zeilen war er schon sehr deutlich. Dass Philipp Lahm mit wenig Selbstbewusstsein nach Basel reist und das auch noch sagt ging für ihn gar nicht. Man müsse immer vom Sieg überzeugt sein. Das ist der FC Bayern. Er strahlte dabei mehr Aggressivität aus als alle Bayern-Spieler und der Trainer zusammen. Vor dem Spiel meinte er irgendwann: „Und lassen wir die Kirche im Dorf, der FC Bayern ist der Favorit!“. Das machte zwar Hoffnung. War aber unbegründet.
Der Rasen wurde von Hitzfeld allerdings auch als halbes Alibi für die Spieler des FC Bayern herangezogen. Na ja er mag Recht haben. Aber trotzdem. Wenn das ein Spieler sagt gehört er auf die Tribüne. Nach so einer Leistung.
Dann trat Uli Hoeness ans Mikrofon. Total angefressen. Der verweigerte Handschlag Riberys: Ja sind wir denn im „Mädchenpensionat“. Wenn einer sauer über seine eigene Leistung (!) sei, dann gebe er halt nicht die Hand. Was soll die Diskussion. Da sah er gar nichts. Punkt. Wir gewinnen daheim und kommen weiter, da mache er sich „überhaupt gar keine Sorgen“. Mir gibt das Hoffnung. Wenn sich Uli Hoeness vor die Mannschaft stellt, dann tut sich was. Hoffentlich.
Unterm Strich bleibt trotzdem alles beim Alten. Die Argumente nach dem Freiburg-Spiel wurden bestätigt. Es reichte halt auch hier nicht. Und Machen wir uns nichts vor, die Niederlage war absolut verdient. Die klareren Torchancen waren auf Seiten der Schweizer. Hätten wir mal wieder gleich zu Beginn ein Tor geschossen, … . Aber 10 Minuten guter Fußball reichen in der Bundesliga nicht, wie soll das in der Champions-League reichen.
Ich erspare mir meine Kritik am Trainer. Ich habe nichts anderes erwartet. Wen haben wir denn bei den Amateuren an Spielern für Abwehr, Angriff und Mittelfeld? Es ist einfach nur traurig.
Vielleicht kommt ja die Wende gegen Schalke? Die Hoffnung bleibt.
Hätte Herr Reiff kommentiert, ich hätte mich noch mehr aufregen müssen. Also ist mir momentan FvTuT lieber. Schlimm genug. Auch wenn er gestern klasse war.