Nach dem Spiel gegen Basel und VOR dem Spiel am Sonntag Nachmittag habe ich mich gefragt: „Was würdest du jetzt an Jupp Heynckes‘ Stelle machen?“ Meine Kritik am Trainer hat auch heute noch seine Berechtigung – davon bin ich nach wie vor überzeugt. Aber was hätte ich gemacht, wie hätte ich reagiert?
So:
- Ribery auf die Tribüne. Von wegen Mädchenpensionat. Nicht mit mir.
- Robben von Anfang an. Der hat mir eigentlich ganz gut gefallen am Mittwoch.
- Müller nochmal auf die Bank. Das war mir viel zu ungestüm.
- Und von wegen Trainingsfrei … . Vielleicht nicht gerade die Medizinbälle aber irgendetwas wäre mir schon eingefallen. So nicht.
- Rafinha raus. Aber wer an seiner Stelle? Lahm auf rechts? Alaba hinten links? Boah. Alternativlosigkeit.
- Gustavo von Beginn an. Tymo auf die Bank.
- Kroos von Beginn an. Alternativlos (Schweinsteiger verletzt).
- Ich hätte natürlich im Winter eingekauft … . Ganz klar. Ich hätte Alternativen. Das wäre mit mir nicht passiert. Oder vielleicht doch? Ich mache das ja noch nicht so lange. Es sei mir verziehen. Der Konjunktiv.
Heute sitze ich vor dem Rechner, freue mich noch immer über ein tolles Spiel gegen Schalke 04, und bin froh, dass ich kein Trainer bin. Was hat der Ribery für ein Spiel gemacht. Die MANNSCHAFT hat 2-0 gewonnen. Souverän. Mia san Mia. Als wäre nichts, aber auch überhaupt gar nichts gewesen. Wie aus einem Guss. Ich könnte jetzt auch behaupten, dass gegen diese Schalker auch meine obigen Konsequenzen gezogen hätten – allein mir fehlt der Glaube. Das war schon teilweise ganz großes Tennis, was die 11 Mann, die Heynckes auf den Rasen geschickt hat, gespielt haben. Gomez war irgendwie neben der Kappe aber stets bemüht. Rafinha hat noch deutlich Luft nach oben, aber es könnte aufwärts gehen. Lahm: Sehr gut. Badstuber toll. Auch im Interview nach dem Spiel. Kommender Führungsspieler. Nach Basel „rappelte“ es noch mit Müller. Der müllerte aber wieder wie in alten Zeiten, hatte nur wieder Pech. Also alles super! Alles Banane.
Womit wir beim eigentlichen Problem wären. Oder bei der Frage: Warum nicht gleich, immer oder fast immer so?
Hätten wir 1-1 gespielt (Chancen Matip und Fuchs, Elfmeter nach Ribery-Ellbogen), aber eben auf diese Art und Weise, mit (noch mehr) Pech im Abschluss, ich wäre auch zufrieden gewesen, da die Einstellung gestimmt hat. Bei allen.
Es ist mir ein Rätsel. Kurz vor knapp, wenn es darauf ankommt, dann geht schon noch was und dann läuft es auch. Stichwort Turin. Nicht mehr als unbedingt nötig bis zu einem gewissen Punkt. Der Druck muss da sein. So lange es funktioniert kann am Ende keiner meckern. Aber wehe es geht halt mal schief. Wehe man gewinnt nicht gegen Basel zu Hause 2-0 oder 3-1 oder höher. Da stehen 11 Mann plus Bank plus Trainerstab. 60.000 Menschen schauen allein im Stadion zu. Millionen im Fernsehen. Und auf dem Platz wird gezockt. Es ist mir ein Rätsel. Aber es sind halt alles keine Maschinen. Wenn nun aber alle gleichzeitig keine Maschinen sind, wenn alle gleichzeitig keinen Bock haben, was dann? Wie lange schaut man da zu? Endlich wieder ein Feuerwerk in München.
Fakt ist: Die Mannschaft spielt NICHT gegen den Trainer. Sie sind mit der langen Leine ganz zufrieden, und wenn es drauf ankommt, und Zuckerbrot statt Peitsche weiter regiert, wird es auch belohnt. Ich hoffe, diese Erziehungsmethode wird bis Saisonende weiter honoriert. Es ist mir wiederum ein Rätsel. Aber deshalb bin ich hier am PC und Heynckes dort im Geschehen. Vieleicht besser so. Sehr wahrscheinlich besser so. Einer für alle und alle für einen. Wahnsinn. Auf einmal tauschen Ribery, Robben und Müller dermaßen oft die Rollen, die Seiten und fast auch noch das Trikot, dass es den königsblauen schwindelig wurde. War das nun eine „neue“ Taktik oder haben die drei endlich das berücksichtigt, was der Trainer schon immer wollte. Beide Möglichkeiten sind gleichermaßen traurig.
Was hätte eigentlich van Gaal gemacht? Ist er letztendlich nicht gerade daran gescheitert? Lieber gar nicht erst darüber nachdenken.
Klinsmann? Anders gelagert.
Klopp, Favre, Hitzfeld? Gute Frage. Wäre es überhaupt erst so weit gekommen?
Ich fülle weiter das Phrasenschwein: Der Erfolg gibt dem Trainer Recht. Seiner Menschenkenntnis (ich unterstelle ihm das jetzt einfach) und seiner ganzen Erfahrung sei Dank. Uli Hoeneß stellte sich vor die Mannschaft. Wohl zu recht. Rummenigges Musketier-Ansprache? Hat wohl zum Glück keinen irritiert. Kabinenauftritte des Vorstandes? Haben vielleicht sogar etwas gebracht. Wer weiß. Aber jetzt ist dann auch gut. Nochmal zieht das alles bestimmt nicht. Jetzt muss die Mannschaft funktionieren. Vorerst sind alle Baustellen zugeschüttet.
Schaut man auf die Tabelle können wir nicht klagen. Mit einem blauen Auge davon gekommen. Alles wieder in Ordnung. Mit etwas Glück könnte es noch was werden mit dieser Saison. Denn das Fußballspielen haben unsere Kicker nicht verlernt. Wenn Gomez wieder trifft, wenn die Einstellung stimmt, wenn Robben noch fitter wird und Bastian Schweinsteiger wieder da ist können wir jeden schlagen. Herrlich. Ich kann wieder träumen. Was ein Spiel doch alles ausmacht.
Ein Konzept sieht allerdings nach wie vor anders aus. Ich bezweifle, dass sich so eine Lösung wiederholen lässt und befürchte gleichzeitig, dass die Ausgangssituation wieder kommen wird. Aber wer soll es machen in der nächsten Saison? Wir haben ja noch Zeit. In meinen Augen wäre es besser, wenn nach dieser Saison für Heynckes Schluss ist. Am liebsten natürlich mit dem Triple. Oder dem Double. Oder dreimal Blech. Hauptsache Schluss. Und Hauptsache ein Trainer mit Konzept. Lieber hier mehr Geld rein stecken und mehr Zeit geben und auch mal die Zähne zusammen beißen. Zukunftsmusik. Erst einmal ist Ruhe im Karton.
Nach Basel wissen wir definitiv mehr.
Jetzt ist erst mal Länderspiel. Schade.